Slowenien / Kroatien 2021 Teil 1

 

Reise vom 13. August - ca. ende September Ziel Kroatien

Sofern der Corona-Virus uns nicht einen Strich durch unsere Planung macht, starten wir mitte August unser nächstes Reiseabenteur Richtung Slowenien / Kroatien.
Unseren Hymer Exis-i 688 haben wir in der Zwischenzeit auf 4,5 t eingelöst, das entsprechende C1 Ticket haben wir beide geschafft. Sogar den Eintrag C1E hat es gegeben, so dürften wir jetzt einen LKW mit 7,5 t und Anhänger mit Gesamtlast bis 12 t chauffieren, da staunt der Laie, immerhin mit Gesamtlänge bis 18,75m! Auch ein Solarpanel ist jetzt auf dem Dach montiert, so können wir ein paar Tage autonom unterwegs sein. Wir freuen uns auf interessante Begegnungen mit Menschen fremder Kulturen und uns unbekannten Landschaften.

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Alles gepackt, Covid-Zertifikate heruntergeladen und ausgedruckt, und los geht die Reise. Start am Freitag den 13., ob das gut geht? Kleine Aufregung vor dem Start, ich finde das lange vermisste Anschlusskabel des TomTom Navis für den Roller, der Start verschiebt sich über 1,5 h! Aber endlich bin auch ich bereit und Marianne fährt unser Gefährt mit Anhänger sicher auf der N1 Richtung Ostschweiz. Kleines Hüngerchen? Klar, so rasten wir in Forrenberg-Süd. 1x Hühnerknochen mit Pommes für Lady, 1x Hühner ohne Knochen mit Pommes für mich. Kaffee? Klar, für 2.50 mit Aprikosen-Plunder! Beim Bezahlen staunt Marianne dass das Fr. 14.80 kostet! Kleingeschrieben steht unter der Aktion dass nur das Gebäck ohne Kaffee vergünstigt ist. Hat trotzdem gut geschmeckt.

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So erreichen wir gut gelaunt unseren ersten Übernachtungsplatz bei Freunden in Widnau. Herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft. Wir genossen das ungezwungene Beisammensein auf Eurem wunderbaren Sitzplatz bis spät in die Nacht. Romantik pur am Lagerfeuer, ein Gläschen Rotwein und ab und zu eine Sternschnuppe die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht, so lässt sich das Leben geniessen. 

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Samstag, 14. August 2021

Frühstück auf dem Sitzplatz und schon heisst es Abschied nehmen. Als erstes muss die digitale Go-Box auf 3 Achsen geändert werden. Kann ich nicht selber, wie mir die freundliche Frau an der Tankstelle in Hohenems mitteilt, Wohnmobilboxen sind fix auf die Achsen eingestellt, nur LKW Boxen können selber umgestellt werden. Ja wenn es nichts komplizierteres ist, dann machen Sie das doch bitte für mich! Da wir die Tankstelle von der falschen Seite angefahren haben heisst es Anhänger abkoppeln, wenden, neu anhängen und los auf die Autobahn. Bei der ersten, über ein Mikrowellensignal gesteuerten Zahlstelle, ertönt ein einmaliger Pips-Ton. Alles OK, wir sind erfasst und erhalten irgendwann die digitale Rechnung. Soll mal einer sagen die Österreicher sind nicht modern!

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Beim Ort Klösterle, bekannt durch das Klostertaler Open-Air, verlassen wir die Mautstrasse, wir wollen über den Arlbergpass! Bei Stuben am Arlberg erblicken wir eine unerwünschte Tafel, Anhängerverbot über 0,4 t. Wir kehren nicht um, unser Gefährt ist einfach nicht über 400 kg schwer, ferig, Amen. So nehmen wir die Kehren des Passes in Angriff, unzählige Töffs überholen uns. Ja, da schlägt mein Herz höher, solche Schräglagen habe ich früher auch genossen. 

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Auf der Passhöhe hat es natürlich keinen Parkplatz für unser 10m Gespann, abgesehen davon dass wijagar keinen Anhänger mitführen dürften.
Imposant die vielen Bergbahnen, sogar auf steilem Felsgrat sehen wir die Bahnstation der Vallugabahn, faszinierend. Wenn ich noch jung wäre, da müsste "Mann" mal Skifahren!

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In St. Anton am Arlberg finden wir spontan etwas ausserhalb einen grossen Parkplatz. So entscheiden wir uns die Räder abzuladen und durch den vor allem im Winter bekannten Touristenort zu flanieren. Kurz vor 14 Uhr kriegen wir noch was warmes in den Bauch, das "Nociola" hat sich Marianne schon vorgängig einverleibt. In der Kirche war ein 33 jähriger Mann aus St. Anton aufgebahrt mit unzähligen Kerzen und Blumenschmuck. Später im Dorf bei einem Sportgeschäft mit Hotel sahen wir einen Hinweis wegen Todesfall geschlossen. Wenn ein so junges Leben zu Ende ist stimmt das schon sehr nachdenklich.

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Die Weiterfahrt auf der Landstrasse mit der Sonne im Rücken geniessen wir, wenig Verkehr und schöne Aussicht durch die Tirolerdörfer. In Imst nehmen wir wieder die Autobahn und treffen auf dem Camping Kranebitterhof ein. Der Platz ist sehr gut besetzt, wir waren vor einem Jahr auf dem Heimweg unserer Reise hier. Der Chef, sehr gestresst gibt mir einen Zettel und erklärt kurz und bündig: "Such dir einen Platz und komm in einer Stunde, aber mit dem Covidzertifikat bitte!" Marianne übergibt mir das Steuer, denn es heisst retour die steile Einfahrt und dann hoch den Platz. Klar, mach ich doch gerne. Parkieren, Strom anschliessen, Tisch und Stühle raus, Anmeldung ausfüllen und Beine hoch.

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Das Nachtessen geniessen wir im "Garda", italienisches Spezialitäten-Restaurant auf dem Camp. Es war wie vor einem Jahr Spitze, sehr zu empfehlen. Marianne mit Muscheln, Scampi, Tintenfischpasta usw. Meine Wenigkeit verzehrte kleines Salätchen, Tortellini (auch Marianne mundeten sie sehr) und Scaloppine überbacken mit Schinken und Mozzarella. Dessert, na ja, es ging nicht mehr...........

Sonntag, 15. August 2021

Einzig ein paar ferne Donnergrollen haben unsere friedliche Nachtruhe leicht gestört. Nach dem üblichen Morgenritual (Kuss von Marianne / WC leeren / Grauwasser entsorgen / usw.) starten wir Richtung Brenner auf der Autobahn A13. Viel Verkehr, doch Marianne lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Zahlstelle mit Stau, kennen wir nicht, mit der GO-Box lassen wir alle links liegen!
Ja was ist denn das? Spüre ich da ein Hüngerchen? Meine dementsprechende Frage wird von der Pilotin unterstützt, wir halten auf der Raststätte in Mützens. Es hat 4 LKW-Parkplätze, leider nur mit Rückwärtsfahren zu erreichen. Es gäbe da eine längere Geschichte draus, wir kürzen ab. Nach gefühlten zig Versuchen hole ich 2 Capu und 3 Brötchen. Marianne erlaubt mir das Womo zu steuern und wir nehmen kurze Zeit später das Frühstück ein.

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Bald ist der Brennerpass erreicht und wir sind in Italien. Bergab kann Marianne üben wie man die Motorbremse optimal einsetzt. Zahlstelle diesmal mit Stau und schon steuern wir ins Brixental Richtung Bruneck / Innichen. Spannend, alles Orte sind Deutsch und Italienisch angeschrieben! Die Dolomiten grüssen aus der Ferne, leider im Gegenlicht nicht sehr fotogen. Also klaue ich ein Bild aus dem Internet, Danke lieber unbekannter Fotograf.

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Pause in Innichen, leider versperren die lieben Leut vom Ort den Parkplatz für Womos mit einem Galgen, max. Höhe 2,4m. So finden wir an der Hauptstrasse bei einer verlotterten Tankstelle neben 2 Italo-Womos Platz, wieder mit Rückwärtsparkieren. Fragen? Mit den Radl steuern wir ins Dörfchen und geniessen das übliche Nocciola-Gelati, gemäss Info eines der 3 Besten im Südtirol. «Leider» haben die Läden geschlossen, so nutze ich die Zeit für ein paar Fotos und schon bald starten wir die Weiterfahrt Richtung Lienz.

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 Speziell erwähnenswert ist die Michaelskirche. Sie zählt zu den schönsten barocken Sakralbauten Tirols.

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15 Uhr, Riesengedränge vor dem Falken-Camping in Lienz. Ausgebucht? Nein, die Schranke öffnet punkt 15 Uhr und keine Minute früher, obwohl etwa 10 Womos draussen warten. Damit die bereits anwesenden Gäste Mittagsruhe haben! Recht haben sie. Leichter Gewitterregen lässt uns die veganen Spaghettis drinnen verspeisen. Ja wie sprach schon Oskar, lieber etwas Grün ums Haus als ein Veganer im Haus! Einer der Dauercamper neben uns ist aus Strengelbach ausgewandert und lebt seit über 20 Jahren hier im fix installierten Campinghäuschen. 3m Schnee hatten sie letzten Winter, 4 Wohnwagenhäuschen seien zusammengebrochen.

Montag, 16. August 2021

Die Ruhe auf dem Campingplatz letzte Nacht war fast beängstigend. Das lauteste Geräusch neben leichten «Schnarchgeräuschen» meiner Bettnachbarin war das Summen einer Fliege, sonst herrschte Totenstille. Der Wetterbericht kündet im Tagesverlauf Regen an, so starten wir ohne Frühstück per Rad zur Stadterkundung. Im «Mocafe», direkt an der Lienz gelegen, stärken wir uns für die Stadtführung. Das Kuchenbuffet sieht phantastisch aus, wir werden am Nachmittag uns daran genüsslich laben.

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Punkt 10 Uhr beginnt die Gratis-Stadtführung mit Eveline. Wir sind nur 8 Personen, so macht es Spass, man hört immer alle Infos bei so kleinen Gruppen. Leider setzt auch jetzt genau Regen ein, die Fotos werden auf den Nachmittag verschoben.

«Antoniuskirchl»; Gebaut im 17. Jahrhundert feiern hier einmal im Monat die Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche Gottesdienst. Man gedenkt auch den über 15'000 Kosaken, die nach dem 2. Weltkrieg von der englischen Besatzungsmacht den Russen ausgeliefert wurden. Der Kosakenfriedhof sowie ein neueres Museum sollen die dunkle Geschichte des Krieges nächsten Generationen in Erinnerung halten.
«Dominikanerinnenkloster»; Besteht seit 1220 und gehört zum ältesten Baubestand von Lienz. Früher war ein Eintritt in das Kloster für die Frauen sehr beliebt, keine zig-Kinder gebären, man erlangte Wissen in der Klosterschule und führte ein relativ sicheres Leben. Heute?
«Lienz»; Bereits die Römer waren in der Gegend angesiedelt, Ausgrabungen in Aguntum zeugen davon. Die Besitzverhältnisse wechselten häufig, auch Brände zerstörten die Stadt mehrmals. Die Görzer Grafschaft starb aus, die letzte Frau des Grafen (Heirat als 14-jährige) starb ohne Kinder, der Graf war 40 Jahre älter! Details kann man im Wikipedia nachlesen.
Nach der Fotorunde am Nachmittag ist Kuchenzeit angesagt, leider sind bei unserem Eintreffen bereits alle Tortenstücke durch Schleckmäuler verspiesen worden, traurig aber war!

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Abends nach 20 Uhr ziehen dunkle Wolken auf, Weltuntergangsstimmung. Wir erleben wieder mal ein Gewitter hautnah. Es stürmt was das Zeug hält, Gott sei Dank kein Hagel. Ein Blitz schlägt ziemlich nahe ein schon kracht es! Eine Stunde später ist der Spuk vorbei, einige Zelte schöpfen Wasser aus dem Innern, die Schnüre werden gespannt und langsam versucht man Bettruhe zu finden.

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Dienstag, 17. August 2021

Nachdem letzte Nacht das Gewitter die Berge gewaschen hat, erstrahlt der Tag in schönstem Sonnenglanz. Der Spitzkofel, Lienzer Hausberg, begrüsst uns unter blauem Himmel.

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 Die Räder startklar, Drauradweg Etappe 2 ist geplant. Super ausgebauter Radweg der Drau entlang, die heute ziemlich viel Wasser mitführt nach dem Gewitter. Kaffeehalt mit kleiner süsser Stärkung ist in Oberdrauburg angesagt. Wir haben Osttirol verlassen und sind im Bundesland Kärnten angelangt.

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Nach dieser Stärkung nehmen wir einen kleinen Abstecher nach Irschen in Angriff. Stärkung war notwendig, führt die Strasse doch steil die Höhe hinauf. Herrliche Ausblicke in die Berge und ins Drautal entschädigen den Akkuverbrauch. Das Kräuterdorf mit dem Garten beim Pfarrhäusel neben der Kirche ist das Ziel. Schön gestaltet, das ganze Dorf bietet an verschiedenen Stellen Kräutergärten zum bestaunen an.

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Unsere Weiterfahrt, diesmal zuerst den Berg runter, führt uns durch lauschige Waldweg nach Greifenburg. Im Gasthaus Wulz, von einer Holländerin geführt, gönnen wir uns einen Radler mit Pizza, denn der Weg bis Spittal ist noch weit. Übrigens ein Radler ist nicht nur ein Radfahrer sondern ein Bier mit Citro, wir sind doch keine Menschenfresser!

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Die nächsten 20 km führt der Weg nicht mehr der Drau entlang, immer wieder rauf und runter. Wir entscheiden uns in Sachsenburg den Zug zurück nach Lienz zu besteigen. Mit dem ÖBB-App so einfach wie mit dem SBB-App. Wir steigen eine Station vorher in Peggetz aus, der Kosakenfriedhof ist unser letztes Ziel für heute.

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Einkaufen im Spar, Älplermagronen und bald ist Bettruhe angesagt, immerhin 70km per Rad! 

Mittwoch, 18. August 2021

Nicht dass wir auf der Flucht sind, trotzdem heisst es packen, Slowenien wir kommen. Nebelverhangene Berge und leichter Regen auf der einen, schon erste Sonnenstrahlen auf der anderen Seite, ideales Reisewetter. Wir verabschieden uns von Margrith und Charly, ehemalige Strengelbacher.

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Die Route im Navi gespeichert, los geht die Fahrt. Bei Oberdrauburg erklimmen wir den Gailbergsattel. Eher eine Töffstrecke mit den vielen Haarnadelkurven. Da uns aber holzbeladene Sattelschlepper entgegenkommen, sollte es auch für uns zu schaffen sein. Immer wieder nasse Strassenabschnitte, vor kurzem hat es hier noch geregnet, es scheint als ob die Regenwolken uns den Weg zeigen wollen. Dem Gailtal entlang steuern wir Villach zu. Die Gegend präsentiert sich als flaches, weites Tal, ideale Bedingungen für Landwirtschaft. Slowenien wollen wir via Wurzenpass erobern, doch kurz nach dem Abzweiger, was erblickt des Fahrers Auge? Fahrverbot für Anhänger über den Pass! Das kann doch nicht war sein, Reiseleiter, ungenügend recherchiert. Über den Arlbergpass habe ich noch ein Auge zugedrückt, aber das totale Verbot können wir nicht ignorieren. Rechtsum, via Autobahn heisst es durch den Karawankentunnel einreisen. Zig mal wird man darauf hingewiesen dass es Mautgebühr zu entrichten gibt. Nur welche Maut, Österreich oder Slowenien? Bei der Schranke wollen wir unseren Obolus begleichen und welch Wunder, Sesam öffne dich, die Schranke geht automatisch hoch. Wir vermuten dass die Gebühr mit der GO-Box verrechnet wird. Der Tunnel, ca. 8 km ist einspurig, die 2. Röhre ist in Bau. Bei der ersten Ausfahrt in Jesenice verlassen wir die Autobahn. Auf der Gegenrichtung herrscht Stau wie vor dem Gotthard, da warten viele Rückkehrer gute 2 Stunden!

Wir erreichen Bled, das Navi weisst uns den Weg. River-Camp habe ich eingegeben, Camping Šobec steht geschrieben. Ehrlich, slowenischen Sprachkenntnisse sind nicht vorhanden, vermutlich heisst River auf Slowenisch Sobec. Der Platz ist sehr gross, bewaldetes Gelände mit freier Platzwahl, direkter Zugang zur Sava, bekannt als idealer Fluss zum Schlauchbötlen. Später realisiere ich dass der River Camp etwa 1km näher Richtung Bled liegt und wir eine Abzweigung später hätten nehmen müssen. Dafür haben wir Schattenplatz, beim neuen Camp sind die Bäume noch nicht so gross dass es für Schatten reicht.

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Duschen, herausputzen, heute spielt die Musik für uns. Mit dem Roller will ich kurz mal nach Bled, da wir noch Zeit haben. Auf der Fahrt finden wir dann auch den neuen River-Camp, da hat die Reiseleitung den falschen Platz navigiert! Viel Verkehr um diese Zeit, nachdem wir den See erblickt haben, wende ich mein 2-Rad. Plötzlich kommen Polizei, Sanität und Feuerwehr im Höllentempo entgegen, braucht Mut so schnell zu fahren in der Hoffnung die Autos weichen dann schon aus, also natürlich nicht die Polizei!

Nach etwa 5km sind wir schon in Beguine, dem Heimatort von Slavko Avsenik. Unsere Reservation von zu Hause aus hat geklappt, wir bekommen einen Platz an einem Tisch mit einem Paar aus Bayern. Er ist absoluter Fan von der Oberkrainermusik, war schon an zig Konzerten und kennt die Leute persönlich. Heute spielt Sašo Avsenik, ein Grosskind  von Slavko mit seiner Band. Mei, des ist einfach Spitze was wir da geboten bekommen. Punkt 19 Uhr starten die Musiker und bieten uns ein musikalisches Feuerwerk vom Feinsten. 23 Uhr, Heimfahrt, zum Glück mit Navi, wir hätten den Weg in der Nacht nicht mehr gefunden. Nicht wegen den Getränken, aber in der Nacht sind alle Katzen schwarz. Auf dem Camp sind die Barrieren natürlich geschlossen, mit dem Roller können wir aber seitlich vorbei. Da es bereits kurz vor Mitternacht ist schalte ich den Motor aus, wir schieben das Gefährt an den Platz, den wir auch nach einigem Suchen finden. Ja, heute war ein erlebnisreicher Tag, den vergessen wir nicht so schnell!

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Donnerstag, 19. August 2021

Nach kurzer Nacht wecken mich ein paar Sonnenstrahlen. Aha, es ist ja schon fast 9 Uhr! Brötchenexpress ist unterwegs, na ja, es stehen bloss etwa 50 Leute beim Camping-Laden an und wollen einkaufen. Eine halbe Stunde später bin ich auch an der Reihe und bald frühstücken wir draussen. Der Roller ist startklar, ab durch Bled im Stau und dann den Flusslauf hinauf nach Bohinjska. Kleine Stärkung, und etwas die Füsse vertreten, bevor wir zum gleichnamigen See weiterfahren.

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Eigentlich nichts Spezielles was wir zu sehen bekommen und trotzdem hat es jede Menge Touristen wie wir. Zuhinterst am See gibt es noch einen Campingplatz. Jede Menge Zelte sind im Wald verteilt aufgestellt. Zurück am Abzweiger beim Auslauf der Sava kriegt Marianne Magenknurren, da muss Abhilfe in Form von Toast gemacht werden. Ich gönne mir die erste berühmte Bleder-Cremeschnitte und schon höre ich was von, die magst Du doch nicht, schon etwas gross, machen wir halbe halbe! Grosszügig wie ich bin willige ich «gerne» ein.

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Den Rückweg schlägt mein TomTom Navi über die Berge vor, eine abwechslungsreiche Fahrt über Alpweiden. Die Strasse heisst Goreljek und die Ortschaft Zgornje Gorje, wobei Ortschaft ist übertrieben, es sind nur einzelne Häuser und das Sporthotel Pokljuka anzutreffen.

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Nächster Programmpunkt wäre der Vintgar-Klamm. Eine gut 2-stündige Wanderung. Da es schon 16 Uhr ist entscheiden wir uns die Besichtigung der Schlucht nicht zu unternehmen. Kleine Anmerkung, vor 3 Jahren kostete der Eintritt 5 Euro, heute das Doppelte, Corona sorgt für Teuerung. Alternativ besichtigen wir die Burg von Bled. Leider ohne Wanderung, wir können mit dem Roller bis vor die Burgtore fahren! Herrlich die Aussicht von hier oben, nun ja, für 13 Euro Eintritt kann man auch was erwarten. Im Preis inbegriffen sind Museumsbesuche und eine Weindegustation, immerhin. Ja und der Blick auf die Kirche im See, allein für solche Fotos zahlt man Unsummen! Morgen rudert Marianne über den See und wir besuchen die Kirche, dafür sind wir ja extra nach Bled gekommen wie alle anderen Touris auch!

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Genug Aussicht genossen, Rückfahrt zum Camping, Grill anfeuern und den Abend geniessen.

Freitag, 20. August 2021

Heute versuchen wir uns als Schauspieler, wir spielen Touristen die Bled erkunden. Mit dem Roller parkieren wir direkt am See, dann ziehen wir uns um und spazieren dem See entlang. Ich zücke die Kamera, halt das ist nicht der normale Tourist, die machen nur Fotos mit dem Handy! OK, versuchen wir es weiter, ich gelobe Besserung. Herrlich die Aussicht auf die Burg und die Kirche auf der Insel. Am gegenüberliegenden Ende des Sees steigen wir den Berg hoch, uh, da kommen wir richtig ins Schnaufen. Oben geniesst man dafür einen fantastischen Blick auf Bled mit allem was dazugehört. Abstieg, Kaffeepause und schon heisst es beim nächsten Dreh mit dem Boot auf die Insel rüber zu gondeln. 15 Euro pro Person, eigentlich wäre es die Aufgabe von Marianne gewesen zu rudern, nur als Filmstar übernimmt das Double die anstrengenden und gefährlichen Aufgaben. Auf der Insel hört man immer wieder die Glocke schlagen, gemäss einer Sage hat man beim Glockenschlag einen Wunsch frei. Die Sache hat nur einen Haken, als Eintritt für einmal Glocke schlagen sind nochmals 12 Euro fällig! Ja Tourist zu spielen ist nicht immer günstig. Zurück auf dem Festland wandern wir den restlichen Weg um den See herum. Plötzlich lautes Pfeifen, he, da hat ein Fisch angebissen. Ein Holländerpaar eilt herbei und zieht den 16 kg schweren Karpfen an Land um ihn dann wieder frei zu lassen. Ja, dem sagt man Fischen ohne Verwertung des Fangs. Zurück im Womo legen wir die Beine hoch, Tourist spielen macht müde! Zum Abschluss des Aufenthalts geniessen wir nochmals eine Bleder Cremeschnitte, mmmmmmh!!!

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Samstag, 21. August 2021

Nach interner Sitzung entscheidet das Management, wir bleiben in Bled und besichtigen Ljubljana mit dem Roller. Gut 50 km, schaffen wir locker in einer Stunde. Unterwegs gibt’s Kaffeepause in Kranj, früher Kreinburg, daher der Name Oberkrainer. Immerhin die 3.Grösste Stadt Sloweniens. Am Samstag-Morgen kaufen die Leute ein und treffen sich zum Schwatz in den vielen Strassencafés. Obwohl fast 40'000 Einwohner, es fühlt sich ruhig an in der Stadt. Übrigens hier in der Provinz kostet ein Cappuccino nur 1 Euro 50, gleiche Qualität wie in Bled-City, jedoch für 3 Euro 50.

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Gut eine Stunde später setzen wir unsere Fahrt fort und treffen gegen Mittag in der Hauptstadt ein. Vorteil Roller, ein Parkplatz ist schnell gefunden, kurz vor der Fussgängerzone Richtung Prešerenplatz, dem Zentrum der Altstadt. Hui, da hat es aber wesentlich mehr Leute, vermutlich eben die traditionellen Touristen wie wir! Gemütliches Schlendern der Ljubljanica entlang, an der Sonne fühlt es sich bei 30° schon sehr warm an. Marianne zeigt sich sehr interessiert für den veganer Markt, schliesslich probieren wir was Kleines aus. Sorry, aber die slowenischen Namen der Speisen konnte ich mir nicht merken, sicher hatte es kein Fleisch dabei. Ich tippe auf Kichererbsen, Blumenkohl und Reis nebst anderen Sachen, hat aber wirklich geschmeckt! Unser Rundgang führt uns auf die Burg hinauf, natürlich heute mit der Bahn. Herrlicher Rundblick, aber natürlich nur mit 11 Euro Zuschlag. Ja wie überall, man lebt von den Lebendigen, die Toten konsumieren nichts mehr. Heute ist die Womo-Küche geschlossen, so speisen wir hier und genehmigen uns ein Stadt-Schnitzel (bei uns würde das in etwa einem Cordon-Bleu gleichkommen) War lecker, so gestärkt treten wir die Heimreise an. Oh Schreck, was finde ich beim Roller vor, ein ZUGER Töfflein hat es sich erlaubt neben mir zu parkieren. Ob ich etwas gegen die Zuger habe? Antworten werden auf schriftliche Anfrage gerne erteilt. Eine Stunde Heimfahrt und wir haben den Campinggeruch von Kohlegrills und anderen Düften in der Nase.

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Sonntag, 22. August 2021

Auf 11 Uhr haben wir Andreja über die goNativGuide Agentur als Stadtführerin reserviert. So satteln wir unseren Roller und nehmen die Strecke nach Ljubljana nochmals unter die Räder. Unterwegs erblicken wir ein spannendes Verkehrsschild, Verbot Pferdewagen und Fahrräder!

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Gestärkt mit unserem allmorgendlichen Cappuccino treffen wir Andreja am Prešerenplatz bei der Statue des slowenischen Nationaldichters France Prešeren. Er schrieb unter anderem den Text der Slowenischen Nationalhymne. Sein Blick ist genau zu seiner Jugendliebe Julia gerichtet. Da Julias Eltern sehr vermögend warren, verboten sie eine Beziehung zu einem Poezen. Da nützten alle  Liebesbriefe und Beteuerungen nichts, traurig. Wenigstens dürfen sich die Beiden heute tagtäglich jede Minute in die Augen schauen, wenn auch aus der Ferne.

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Ursprünglich hiess der Platz Marienplatz, nach dem Namen der Kirche benannt.

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Einer der teuersten Einkaufsecken ist die «Galerija Emporium», aber auch hier wird mit Rabatten die Leute hereingelockt!

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Das Parlamentsgebäude, direkt angrenzend der Platz der Republik mit den 2 Türmen im Rücken, die das Aufgehen von Toren symbolisieren. Seit 1991 ist Slowenien ein unabhängiger Staat, der sich im sogenannten 10Tage Krieg von Jugoslawien getrennt hat.

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Ljubljana ist eine Hochschulstadt, während der Studienzeit leben gegen 40'000 Studenten in der Stadt, die knapp 300'000 Einwohner zählt. All diese Leute brauchen Wohnungsfläche, es verwundert nicht, dass die Mieten ähnlich teuer sind wie in den Schweizer Städten. Das durchschnittliche Einkommen der Slowenen beträgt netto ca. 1’000 Euro. Dafür kann man kostenlos ärztliche Behandlung und Medikamente beanspruchen. Braucht man aber einen Spezialisten, so kommt man auf eine Warteliste. Wenn man Glück hat erhält man einen Termin in 12 Monaten. Man kann natürlich Privattermine beim Spezialisten buche, nur müssen diese Konsultationen dann selber bezahlt werden.

So spazieren wir zum Kongressplatz, wo viele öffentliche Veranstaltungen durchgeführt werden, die meisten sogar gratis. Man bezahlt nur was für den Stuhl!

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Geschichtlich finden sich römische Spuren, Emona hiess das Zentrum wo heute Ljubljana aufgebaut ist. Bei jedem Umbau finden sich wieder alte Knochen, Tonkrüge oder sonstige Antiquitäten. Auch Napoleon hinterliess seine Spuren, wie überall in Europa. Eine Künstlergasse gibt es natürlich auch, Kreativität soll man ausleben können.

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Jede Stadt hat natürlich ein Rathaus, sei es zum Regieren oder Heiraten, oder wie hier auch für Ausstellungen.

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Der St. Nikolaus Dom wurde im heutigen barocken Stil anfangs des 17. Jahrhundert gebaut. Interessant ist das Tor der Rückseite. 1996, anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II, wurden zwei massive Bronzetüren mit Reliefdarstellungen der slowenischen Geschichte und der Bischöfe von Ljubljana angebracht.

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Ja, was wäre Ljubljana ohne seinen berühmtesten Architekten, Jože Plečnik. Seine Spuren hinterliess er nicht nur hier, sondern auch in Wien und Prag. Eine kleine Anekdote sei hier erwähnt. Da er viel arbeitete und unterrichtete, interessierte ihn keine Dauerbeziehung. In verschiedenen Städten verliebten sich aber immer wieder Frauen in ihn. Eine Frau aus Ljubljana machte ihm quasi einen Heiratsantrag. Da hat er die Beziehung abgebrochen und nie mehr Kontakt zu ihr gepflegt. Zu seinen besten Werken zählen die National- und Universitätsbibliothek, die Gestaltung der Flussufer der Ljubljanica, ganz besonders auch die Drei Brücken (Tromostovje) und die Schusterbrücke (Čevljarski most), der zentrale Marktplatz, das Sommertheater Križanke, das Stadion Bežigrad, die Totenkapellen am Friedhof Žale sowie die St.-Michaels-Kirche im Laibacher Moor.

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Ljubljana nennt sich auch Drachenstadt. Angeblich sollen die 4 Drachen, die die Stadt bewachen mit dem Schwanz wedeln, wenn eine Jungfrau über die Brücke läuft. Wir haben das etwa eine Stunde beobachtet, entweder die Sage stimmt nicht, oder …..!

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Ja, Andreja, zwei Stunden waren schnell verflossen, herzlichen Dank für die kompetente Führung, die wir allen Besuchern nur wärmstens empfehlen können. Nach so viel Wissensvermittlung plagt uns ein Magenknurren. Im Rest. Julia werden wir bestens verpflegt und anschliessend genehmigen wir uns im Gujžina eine slowenische Dessertspezialität, einen Prekmurska Gibanica, mit den Zutaten Mohn, Walnüssen, Äpfel und Quarkfüllung. Eines der besten Dessert das ich je verspiesen habe.

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Montag, 23. August 2021

Heute ist Reisetag nach Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. Mitten in der Nacht hat es zu Regnen begonnen und die schweren Tropfen von den Tannen klatschen auf unser Womo Dach. Da lässt es sich nicht so ruhig schlafen. Am Morgen wird zusammengepackt, WC geleert und Grauwasser vom Duschen abgelassen. Rechnung begleichen und los gehts. Wir haben uns entschieden das Spezialgerät für die Autobahngebühr für Wohnmobile über 3,5 t nicht anzuschaffen, deshalb führt die Reise alles über Landstrassen. Aber das Navigationsgerät führt uns zielsicher, wenn man ihm gehorcht. Wenn, ja, meine Idee war dem Fluss Sava entlang zu fahren. Kurz vor einem Abzweiger sehen wir eine Umleitung, die uns verwirrt. Pflichtbewusst schwenken wir ab der Hauptstrasse im Glauben dass die Strasse gesperrt sei. Nach etwa 10km sehen wir keine Umleitungspfeile, das Navi will uns über einen Berg mit Gewichtsbeschränkung 6 t und max. 30 kmh Geschwindigkeit leiten. Nein, da fahre ich nicht. Umkehren, die Sperrung nochmals genauer anschauen, Scheiber staunt, da kommen ja sogar LKW entgegen so keine Durchfahrt möglich sein soll. Problemlos fahren wir dies Passage weiter und wieder eine Erfahrung reicher. Spätestens als dann aber die Höhe auf 2,6m beschränkt ist, getraue ich mich nicht mehr dem Fluss weiter entlang zu fahren. Nun ja, kleiner Umweg von etwa 25 km, das hat man halt wenn man nicht die Autobahn fahren will. Grenze überqueren, niemand interessiert sich für unsere Schmuggelwaren, so treffen wir wohlbehalten auf dem Camp Zagreb ein und richten uns ein. Bei 18° im Schatten ist heute Raclett genau des Richtige! E guete allerseits. Die nächsten Berichte ab Kroatien könnt Ihr im Teil 2 lesen, viel Spass!