Teil 6 Marrakesch - Algeciras

Marrakesch - Algeciras

Montag 5. Januar Marrakesch - El Jadida

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Die letzte Nacht auf dem Camping Le Relais in Marrakesch bleibt uns vermutlich noch etwas länger in Erinnerung. Morgens um 01.30 ertönt aus dem Armaturenbrett unseres Womos ein Piepston, der mich sofort aus dem Bett befördert. Was ist da los? Die Batteriespannung der Starterbatterie ist nur noch gut 11 V, aber warum? Durch Einschalten der Zündung verstummt der penetrante Ton. Ich schalte alle Elektroverbraucher aus und trenne mich vom Stromnetz, meine Vermutung ist, dass durch Unterspannung aus irgendeinem Grund die Batteriespannung zusammenbrach. Hoffentlich kein Defekt an der ganzen Elektronik! Das Suchen des Schlafs ist wie wenn man auf einem Nagelbrett sich ausruht, dauernd denkt man hoffentlich nicht wieder Alarmtöne. So wird es irgendwie auch Morgen und wir starten die Weiterreise nach El Jadida. Nach ein paar Kilometern verwandelt sich die Strasse in eine Schlamm- und Schotterpiste, der Regen und Bauarbeiten auf den nächsten 30km ist die reinste Horrorfahrt. Unser Womo, mal weiss gekauft, ist ein brauner Hymer geworden, Chef Aussendienst „freut“ sich schon aufs Reinigen! Bei einer ausgedienten Garage, nachdem wir das Gröbste überstanden haben, wird gefrühstückt mit Regenbogen im Hintergrund.

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Ja der Regen hat Spuren hinterlassen, Marokko hat plötzlich zig kleine Gewässer, das Wasser kann in dem harten, ausgetrockneten Boden nicht abfliessen. Auch erleben wir das Land langsam am Grün werden, kündet sich hier politischer Besuch an?

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Die meisten LKW sind einfach zu klein gebaut für das was transportiert werden sollte. Also wird die Ladefläche grosszügig in alle Richtungen verlängert. Solche Gefährte werden von den vielen Strassenpolizeikontrollstellen problemlos durchgewunken. Vorschlag, wir schicken mal die Schweizer Bünzlipolizei nach Marokko, hier lernt man vernünftig umgehen mit den Verkehrsteilnehmern!

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Gegen Abend treffen wir auf dem Parkplatz am Meer in El Jadida ein. Noch ein kurzer Bummel durch den Markt, Nachtessen beim „Portugiesen“ und schon legen wir uns ins Land der Träume, hoffe ohne Alarmeinsatz!

 

Dienstag 6. Januar  El Jadida

Wir besichtigen die Cité Portugaise, welche 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde. Die Portugiesen gründeten hier einen Stützpunkt im 15. Jahrhundert, der ihnen Wasser und Lebensmittelaufnahme auf ihrem Seeweg nach Indien ermöglichte. 1769 wurde die Stadt von Berberstämmen und Truppen der marokkanischen Sultane erobert und verfiel zusehends. Später wurden vertriebene Juden in den Stadtmauern angesiedelt. 1956, anlässlich der Unabhängigkeit Marokkos vom französischen Protektorat, erhielt die Stadt wieder ihren heutigen Namen. Bei unserem Rundgang durch die Gassen stellen wir fest, dass hier noch einiges an Sanierungsbedarf vorhanden ist und vermutlich eher ärmere Leute günstigen Wohnraum hier mieten. Die Zisterne ist leider nicht mehr zu besichtigen, verfällt langsam, wenn da nicht bald Gegensteuer gegeben wird und mit Sanierungen angefangen wird. Trotz allem, der Rundgang gefällt und Fotomotive hat es genügend.

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Mittwoch 7. Januar  El Jadida – Mohammedia

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Wir verlassen unter Mövengekreische und Hundegebell unseren Übernachtungsparkplatz am Hafen. Das Konzert betrachten wir als Dankeschön fürs Hiersein oder dass wir endlich abrauschen? Bei der Shell-Tankstelle im Städtchen lassen wir auftanken und Scheibenwischerwasser nachfüllen. Natürlich nur Leitungswasser kein Reinigungsmittel, das kennt man hier nicht. Stopp, rufe ich, Bäckerei Blickrichtung links! Marianne hält natürlich mitten auf dem Fahrstreifen, so wie es sich gehört und alle Einheimischen ebenfalls machen. Es gibt ja noch einen zweiten, also keine Aufregung bitte. Die Konditorei bietet alles was mein Herz begehrt, ich halte mich tunlichst zurück, schliesslich ist es aktuell nicht geplant alle Kleider eine Nummer grösser anzuschaffen! 2 Bagetts, ein Mandeltörtchen und mit 25 Dh ärmer verlasse ich den Laden, alles gefilmt von Marianne, damit ich nicht unterwegs schon am Naschen bin!

Wir erkennen Marokko nicht mehr, alles Grün! Damit wir Casablanca umfahren können benützen wir das erste Mal die gebührenpflichtige Autobahn. Lohnt sich alleweil, kein Stau, wenig Verkehr, und nicht ganz 10.- für etwa 120 km.

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Als Übernachtungsplatz wählen wir den Camping Said in Mohammedia. Familienbetrieb, die sich sehr um das Wohl der Gäste kümmern. Wir fühlen uns auf anhieb sehr wohl. Spaziergang zur Küste, ohne blaues Meer. Das Wasser ist ziemlich aufgewühlt und der Uferbereich braun verfärbt. Einige mobile Autowaschbetreiber bieten ihre Reinigungsdienste an, wir planen für Übermorgen einen Besuch für die Aussenreinigung des Womos, wenigstens für den gröbsten Schmutz.

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Donnerstag 8. Februar  Besuch Casablanca

Für 9.30 Uhr haben wir ein Taxi bestellt, das uns nach Casablanca in die Stadt und zurückbringen soll. Ein weiser Entscheid, dieses Verkehrschaos möchte ich weder mit Womo noch mit Roller erleben. Nur 2 Rollerfahrer lagen am Boden, angefahren von Autos. Wenn man aber sieht wie sie sich links und rechts an den Autos vorbeizwängen und meistens bei Rot über die Kreuzung fahren, verwundert das nicht. Auf meine Frage an unseren Chauffeur Jamal, ob bei einem Unfall jetzt die Polizei käme, meinte er trocken, eher nein. Man haut ihnen meistens links und rechts eines an die Ohren, dass sie so unvernünftig fahren, unter dem Motto, den Unfall habe ich knapp überlebt, aber die Schläge gaben ihm den Rest!
Um 11 Uhr startet die Besichtigung der Moschee Hassan II.. Nach 7 Jahren Bauzeit mit über 3‘000 Arbeitskräften wurde die Moschee 1993 am Geburtstag des Propheten Mohamed eröffnet. Finanziert wurde der Bau aus Staatsgeldern und Spenden der Gläubigen, zu der jeder mehr oder weniger beigesteuert hat. Sie ist die 3. Grösste Moschee der Welt und bietet 100‘000 Gläubigen, davon 20‘000 im Innenbereich, Platz. Das Minarett ist 200m hoch und zuoberst krönen 3 goldene Kugeln, 3700kg schwer, die Spitze. Gigantisch was wir da besichtigen dürfen als Nichtgläubige. Führung auf Deutsch, von den 300 Besuchern war unser Grüppchen mit 6 Personen das Kleinste.

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Anschliessend kleine Stadtrundfahrt mit 2-3 Fotostopps und feinem Mittagessen mit kleinem Bummel durch diverse Läden wie wir sie schon zigmal gesehen haben aber trotzdem immer wieder faszinieren.

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Freitag 9. Januar  Mohammedia – Kenitra

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Weiterfahrt nordwärts Richtung Rabat zu unserem Übernachtungsplatz Camping International de Mehdya in Kenitra. Doch zuerst wird für 100 Dirham unser Womo gereinigt und wir fahren mit einem neuen Fahrzeug weiter Richtung Autobahn. In Marokko ist es „erlaubt“ auf der Autobahn Autostopp zu machen, Schafe an den Seitenstreifen grasen zu lassen, sogar einen Velofahrer haben wir gesehen. Alles easy, flexibel bleiben und ruhig weiterfahren. So erreichen wir bald Kenitra, einchecken und kleiner Rundgang an den Fluss Sebou der hier ins Meer mündet. Zig Fischerboote fahren ins Meer hinaus in der Hoffnung auf guten Fang. Bei fast 20° lassen wir es ruhig angehen und von den Sonnenstrahlen wärmen.

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Samstag 10. Januar  Ausflug Rabat mit Roller

Gut 30 km beträgt ein Weg vom Campingplatz in die Hauptstadt Rabat. Das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer ist sehr ordentlich im Vergleich zu anderen Städten. Erster Stopp beim Hassan Turm, eines der Wahrzeichen der Stadt zusammen mit dem Mausoleum von Mohamed dem V., dem Begründer des neuen Marokkos und Grossvaters des jetzigen Königs Mohammed VI.

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Ein modernes Wahrzeichen von Marokko ist der Tower Mohammed VI. Wenn man auf der Hinfahrt die Slums-Siedlungen gesehen hat und nun diesen Prestigebau sieht, versteht man gewisse Strömungen im Lande die sich gegen den König richten.

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Bei unserer Weiterfahrt sehen wir die Mauern der Chellah, der Grabstätten der Meriniden-Sultane. Spontan entscheiden wir uns für einen Besuch und sind nicht enttäuscht. Gepflegte Gartenanlage, gute Präsentation der Objekte und viele Störche die hier ihr Zuhause gefunden haben.

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So treten wir die Heimreise an und werden morgen noch die Kasbah des Oudaîas in Rabat besuchen.

 

Sonntag 11. Januar  Ausflug Rabat mit Roller Teil 2

Das gleiche nochmals, doch diesmal wolkenlos unter strahlend blauem Himmel. Autopilot einschalten, zurücklehnen und los geht die Fahrt nach Rabat. Kurzer Zwischenstopp mit Blick auf die unendliche Weite des Meeres, einfach immer wieder eindrücklich so träumerisch ins Weite zu schauen.

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Wir parkieren direkt unterhalb der Kasbah des Oudaîas, 5 Dh die Stunde gilt auch für Roller. Dafür ist alles bewacht und wir müssen uns keine Sorgen machen über Manipulationen oder Diebstahl. Eigentlich wäre jetzt kleines Frühstück angesagt, doch Marianne möchte unbedingt Fotos von den Fischerbooten knipsen. Also gut, zähneknirschend willige ich ein. Eine Stunde später ist es 12 Uhr, Frühstück? Ja eigentlich wäre jetzt Mittagessen angesagt, also nichts mit Kaffee, sondern Restaurant suchen. So gegen 1 Uhr nachmittags verspeisen wir Brochetts mit Gemüse, schmeckt hervorragend, auch ohne Frühstückskaffee im Bauch.

Gestärkt schlendern wir durch die Gassen des Altstadtviertels und erreichen bald eine Aussichtsplattform mit Blick aufs Meer und die gegenüberliegende Stadt Salé.

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Speziellen Kaffee mit mehr Kaffeesatz als Wasser dazu göttliches Gebäck genehmigen wir uns im Café des Oudayas, früher Café Maure. Noch ein paar Kilometer Fussmarsch durch die Medina mit ihren hunderten von kleinen Läden und zurück zum Camping, Rabat hat uns sehr gut gefallen. Ruhig, gepflegt, mindestens im Stadtinneren Bereich. Bei uns im Dorf Mehdia treffen wir hunderte von Einheimischen an die am Strand und in den Cafés verweilen. Mit einem herrlichen Sonnenuntergang verabschiedet sich ein weiterer erlebnisreicher Tag in Marokko.

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Montag 12. Januar  Kenitra – Moulay Bousselham

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Zum X-ten Mal packen wir unsere Sachen zusammen und setzen unsere Marokkoreise fort. Reisemüde? Kein bisschen, eher wehmütig, dass wir dieses wunderbare Land mit ihren freundlichen Menschen bald verlassen müssen. Frühstückspause auf dem Autobahnrastplatz, wir staunen nicht schlecht als wir die vielen kleinen Seelein sehen. Alles noch Restwasser von den intensiven Regenfällen im Norden Marokkos der letzten 3 Wochen.

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In Moulay Bousselham suchen wir ausserhalb des verrotteten Campingplatzes unser Nachtlager. Wir fragen einen jungen Mann ob wir hier parkieren dürfen, kein Problem und ein Wort gibt das andere und schon haben wir unseren Bootsführer für die Lagunenrundfahrt gebucht. Der Parkchef wird auch noch entschädigt, so haben wir alles Administrative für heute erledigt. Ruhig tuckern wir mit seinem Boot durch die gut 1m tiefen Wasserstrassen der Lagune, es herrscht bald komplett Ebbe. Also gar nicht so einfach den Weg zu finden. Wir sehen viele Wasservögel aus der Nähe, nur sind sie so scheu, dass sie trotzdem sobald wir in die Nähe kommen fortfliegen. Sogar 2 Flamingos sehen wir, obwohl sie meistens dieses Gewässer nur als kurzen Aufenthaltsort benutzen auf ihrer Reise südwärts.

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Anschliessend ist Kaffeetime angesagt, ein „Nous-Nous“ muss her, aktueller Koffeinmangel macht sich bemerkbar. Der Ort macht einen sehr traurigen Eindruck auf uns. Abfallberge links und rechts der Strasse, nichts wird hier gepflegt, viele streunende Hunde und Katzen. Umso mehr staunen wir, dass 25kg Säcke Hundefutter in vielen der kleinen Läden verkauft werden. Sicher nicht für die Haustiere, es gibt hier vermutlich viele tierliebende Menschen. Auf Empfehlung von Uwe speisen wir im Fischrestaurant La Terrasse und wir werden nicht enttäuscht! Die Aussicht aufs Meer ist traumhaft, Herz was willst du mehr!

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Dienstag 13. Januar  Moulay Bousselham – Asilah

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Zweitletzte Reiseetappe, sie führt uns dem Meer entlang nach Asilah. Wir parken vor der Stadtmauer, die in die Medina führt. 30 Dirham verlangt der emsige Parkwächter, ohne Übernachtung. Über die Mittagszeit wirkt das Städtchen verlassen, nur wenige der Läden sind geöffnet. So schlendern wir den diversen Kunstwerken entlang, die auf die Fassaden gemalt wurden.

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Obligate Kaffeepause, Kartoffeln einkaufen fürs Nachtessen und schon steuern wir ein paar Kilometer weiter auf den Camping Hôtel Briech zu. Unsere letzte Destination in Marokko, schöne Anlage mit Pool, auch zum Teil etwas in die Jahre gekommen.

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Mittwoch 14. Januar  Asilah – Algeciras

Nun ist es Tatsache, der letzte Tag in Marokko startet mit einem Gewitter. Blitz und Donner wecken uns mitten in der Nacht. Was wollen die Reisegötter uns da vermitteln? Mehrheitlich auf der Autobahn durch wiederum teilweise überschwemmte Gegend steuern wir Tanger Med zu. Kurz vor dem Hafen winkt uns ein Mann mit Signalweste von der Strasse, hier schon einchecken? Nein, er will uns nur Fährtickets verkaufen! Also weiter und schon halten wir beim ersten richtigen Beamten. Pflichtbewusst zeige ich ihm unser Ticket. Nein, das ist nur der Gutschein, zurück und an den Schalter die Bordpapiere holen. Ich darf mein Gefährt seitlich parkieren und kurz darauf besitzen wir alles Notwendige. Um 16 Uhr soll die Fahrt los gehen, aber es ist erst 12 Uhr, also noch viel Zeit. OK, 3 weitere Passkontrollen, wo der Häuschenmann Marie, Marie, Marie schreit. Bis ich verstehe was er meint reisst bei ihm fast der Geduldsfaden, er will meine Marie-Anna sehen im Womo! Der nächste will meinen Roller sehen und dann etwa 1 ½ Stunden später werden wir noch geröngt, also natürlich unser Womo. So stehen wir vor der Fähre und gerade als ich mir mein letztes Nous-Nous bestellen will heisst es einschiffen! 2h vor Abfahrt werden die ersten PW’s und 2 Womos im Schiffsbauch parkiert und wir können die Beladung der LKW’s bestaunen bis der letzte Platz gefüllt ist. Um halb vier heisst es Leinen los und wir steuern unserem Startort der Marokkoreise zu, nämlich Algeciras.

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Ja, das war Marokko. Wir kamen als Fremde und verlassen dieses Land als Freunde. Die vielen spontanen Begegnungen mit den sehr freundlichen Leuten haben uns Beeindruckt. Auch ohne Sprache nur mit ein paar Gesten spürt man die Herzlichkeit und Zufriedenheit. Sie sind mit wenig glücklicher als wir mit vielem, das wir nicht benötigen.

Die weitere Reise lassen wir auf uns zukommen, zuerst Andalusien, dann Richtung Portugal, mal schauen wie lange und wohin uns der Weg führt!