Teil 1 Andalusien

Andalusien von Gibraltar bis Sevilla

Donnerstag 15. Januar  Gibraltar

Unseren Start auf dem europäischen Boden sieht eigentlich die Weiterfahrt nach Malaga vor, doch erstes kommt es anders als zweitens als man denkt. Marianne überzeugt mich doch Gibraltar auch einen Besuch abzustatten. Ja, wenn man schon hier ist, warum eigentlich nicht. Nach dem Grenzübertritt mieten wir ein Taxi, der Chauffeur per Zufall Marokkaner, der uns die Sehenswürdigkeiten Gibraltars zeigt. Erster Stopp bei den Pillars of Hercules auf dem Felsen von Gibraltar. Sie markieren den Eingang zur Strasse von Gibraltar, der Grenze zwischen Atlantik und Mittelmeer. In der Antike Symbol für ein mytisches Tor, jenseits dessen das Unbekannte lag. Trotz nicht perfektem Wetter zeigen die Wolken sich gnädig und erlauben sogar einen Blick rüber nach Afrika.

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Als nächstes besichtigen wir die St. Michaels Höhle. Immer wieder eindrücklich unsere Höhlensysteme auf dieser Welt. Gut inszeniert mit Musik und Farbenspiel.

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Von der Skywalk-Plattform hat man wunderbare Aussicht zu den spanischen Stränden. Falls die Aussicht langweilt bieten die Berberaffen genug Abwechslung.

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Zum Abschluss dürfen wir noch die alten Militärstollen besichtigen. Unglaublich wie die früher im Fels ihre Kanonen gebunkert haben. Wie muss das gedonnert haben, wenn da scharf geschossen wurde. Von hier oben hat man eine schöne Aussicht auf die Start- und Landepiste mit Blick nach Spanien rüber. 7x am Tag wird die Überquerung für Fussgänger gesperrt, dann herrscht Flugbetrieb.

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Wir schlendern noch durch die Einkaufsmeile von Gibraltar, da zollfrei entsprechend günstig für bestimmte Artikel. Wir entscheiden uns nun nicht mehr nach Malaga zu fahren, sondern suchen in Castellar de la Frontera den Gratisstellplatz auf. Komplett besetzt, na klar, wenn‘s nichts kostet. Wir parkieren längs nebenan in der Seitenstrasse, bis am Abend sind wir zu Dritt die diese Notschlafstelle benützen.

 

Sonntag 18. Januar  Málaga

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Regenfahrt der Küste entlang, diesmal nicht auf der teilweise kostenpflichtigen A7, sondern durch die Tourismusorte durch. Fast die ganze Strecke links und rechts der Strasse türmen sich Feriensiedlungen auf, was da in der Hochsaison abgeht. Thema Wassermangel, Vorschlag, nur je eine Stunde morgens und abends für die Ferienwohnungen und Hotels freigeben? Nein, geht natürlich nicht, vor allem nicht, wenn es wie mich mit Durchfall erwischt, wäre etwas zu viel des Guten. 3 Monate in Marokko keine Probleme und kaum stellen wir auf europäische Kost um plagen mich Darmstörungen!

So lassen wir es Freitag und Samstag gemütlich im Womo auskurieren und starten heute Sonntag mit einer Besichtigung von Málaga. Mit den Rädern bei kühlen 8° dick eingepackt starten wir stadteinwärts. Woher die vielen Fremdsprachen in der Einkaufsmeile? Ein Costa-Kreuzfahrtschiff hat gerade 6‘000 Bordflüchtlinge entlassen. Wir müssen uns erst wieder an das Stadtleben gewöhnen, so lassen wir es ruhig angehen und schlendern ein wenig durch die vielen Altstadtgassen. Plaza de la Constitución, die „einarmige“ Basilica von aussen, das Teatro Romano und ein Blick auf den Hafenleuchtturm reichen für heute, morgen ist auch noch ein Tag.

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Montag 19. Januar  Málaga

Tag 2 unseres Stadtbesuchs steht ganz im Thema Internet Verbindung. Seit gestern Abend spät läuft nichts mehr und wir suchen zusammen mit unserem Anbieter Holafly nach Lösung des Problems. Meine Vermutung wird dann im Verlauf des Nachmittags bestätigt, gestern zu viele Daten verbraucht. Eine internationale Datenschutzpolizei hat bemerkt, dass da Scheibers Unmengen von Terabit verbraucht haben und haben unsere Verbindung stark gedrosselt! Als erstes besuchen wir das Rathaus, unseren Treffpunkt für die morgendliche Wanderung zum Königsweg. Mit dem Lift schweben wir zum Seniorenpreis von je 3 Euro zur Festung Alcazaba hoch und bewundern mit zig hundert Touristen die Aussicht und die Gebäude hier oben.

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Runter zu Fuss im Tempo der gehetzten Grossmutter, nämlich den Trampelschritten der grossen Gruppe vor uns, die alle paar Meter noch einen Extrastopp macht. Kleiner Lunch, Kaffeestärkung und wir kehren mit den Rädern zum Womo zurück, morgen ist ein anstrengender Tag angesagt, der Caminito del Rey ist angesagt.

 

Dienstag 20. Januar  Caminito del Rey

Wie stellt man fest, dass man älter wird? Ganz einfach, wenn man Wanderungen und Ausflüge nicht mehr selber organisiert und am Morgen in einen bequemen Bus zusammen mit 50 anderen Personen einsteigt! Kaffeehalt und Eintritt für die Wanderung dem Königsweg entlang sind organisiert, du darfst nur noch geniessen.
Die Route ist spektakulär, 700m hohe Felswände, die engste Stelle keine 10m breit und der Weg auf den Holzdielen führt 100m über der Schlucht in der senkrechten Wand. Auch Adler haben wir in der Luft kreisen gesehen, eindrücklich. Sehr eindrücklich der ganze fast 8km lange Weg, tolles Erlebnis.

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Donnerstag 22. Januar  Malaga – Algarrobo – Granada

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Da gegen Abend Regen angesagt ist, fahren wir mit Womo und Anhänger zu einem Parkplatz in Algarrobo an der Küste gelegen. Mit Roller besuchen wir dann Monika und Franz Duss in Sayalonga, herzlichen Dank für Speis und Trank, es war sehr gemütlich mit euch zu plaudern. Ohne Polizeibelästigung übernachten wir sehr ruhig mit ein paar anderen Womos auf dem Parkplatz und fahren dann am Morgen nach Granada. Kurzer Stopp unterwegs bei der Mauer des Guadalfeo-Stausees, gut gefüllt dann den Regenfällen diesen Winter. Nächster Stopp auf der Camper Area Bellavista in Maracena, einem Vorort von Granada. Ein 5-Sterne Platz, neu erstellt, den wir nur wärmstens empfehlen können, einfach perfekt mit Blick in die Sierra Nevada!

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Däumchen drehen, nein, wir sind noch motiviert für eine erste kleine Stadtbesichtigung. Vor allem wollen wir doch den Weg erkunden für die Besichtigung der Alhambra, die morgen auf dem Plan steht. Mit Kleinbus kurven wir hoch zum Stadtteil Albaicín und erleben einen schönen Blick auf die gegenüberliegende Alhambra. Sieht mächtig aus, das Teil, das gibt morgen einige Schritte!

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Freitag 23. Janauar  Besichtigung Alhambra

Die Alhambra von Granada ist ein weltweit einzigartiges denkmalhistorisches Juwel. Dieses Vermächtnis der islamischen und nasridischen Kunst wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und zählt jährlich über 2,5 Mio Besucher. Der Gesamtkomplex teilt sich im Wesentlichen in die nachfolgenden Bereiche auf.

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Generalife (Nr. 1); Sommerpalast, wo die Sultane die heissesten Monate des Jahres verbrachten. Er liegt am Hang des Cerro del Sol und war von Anbaugärten umgeben. Im Sommer, wenn im Talboden von Granada Temperaturen von 40 Grad erreicht werden, ist es hier oben gut 6 Grad kühler. Die Nähe zur Natur und der «kurze» Arbeitsweg zur Alhambra sowie die durch die Anhöhe geschützte Lage bei Angriffen waren der Vorteil des Generalife.

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Palacio de Carlos V (Nr. 3); Von allen Palastbauten der Alhambra ist der Palast Karls V. der einzige, der aus christlicher Zeit stammt. Er wurde 1526 von Kaiser Karl V. in Auftrag gegeben, hier wollte er seinen Wohnsitz einnehmen. Er sollte ihn nie bewohnen, da der Bau nicht zu seiner Lebenszeit fertiggestellt wurde. Der Palast ist eines der Meisterwerke der spanischen Renaissance vom Architekten Pedro Machuca nach italienischen Vorbildern. Es ist ausserhalb Italiens einer der schönst erhaltenen Paläste dieser Zeitepoche. Heute sind 2 Museen darin untergebracht.

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El Partal (Nr. 6); Es ist die Bezeichnung für das an die Nasridenpaläste angrenzende Areal. Neben dem Palast des Portikus, einem der ersten Paläste in der Alhambra, sind noch Häuser der Bediensteten zu sehen. Auch ein Oratorium aus dem 14. Jahrhundert, eine bescheidene Moschee sowie Gärten und Wachtürme sind in unmittelbarer Nähe zu besichtigen.

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La Alcazaba (Nr. 4); Die Alcazaba ist der älteste Teil der Alhambra. Es handelt sich um den militärischen Teil, dessen Ursprünge auf das 13. Jahrhundert zurück gehen. Vom Wehrturm geniesst man einen schönen Rundblick auf die Stadt Granada, früher natürlich ideal um allfällige angreifende Feinde frühzeitig zu erkennen.

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Nasridenpaläste (Nr. 5); Der meistbesuchte und prächtigste Teil der Alhambra. Hier hatte der Sultan seine Privatresidenz, versammelte sich der Hof, fanden Veranstaltungen statt und wurde die Weltprominenz der damaligen Zeit empfangen. Erbaut im 13. / 14. Jahrhundert und unterteilt in 3 verschiedene Bereiche. Verwaltungs- und Gerichtsaufgaben, Versammlungsort für den Hof und der private Teil des Sultans. Welch unglaubliches Handwerk gestaltete die einzelnen Räume, man staunt ob den Detailverarbeitungen von Wänden und Decken, welche im Laufe der Jahre hinzugefügt wurde.

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Ja, die Batterie der Handys und auch unsere Aufnahmebatterie ist leer. All die Eindrücke zollen Tribut und machen müde. Man staunt auch über die vielen Besucher, was so alles geknipst wird. Was ich beobachtet habe sind viele die ein Selfie machen und eigentlich gar nicht die vielen Details und Sehenswürdigkeiten als Ziel haben. Vor allem junge Damen machen Fotoshootings mit entsprechendem Tenüwechsel und Styling! Manchmal ganz amüsant dem Treiben zuzuschauen, aber für heute haben wir es gesehen.

 

Samstag 24. Januar  Granada Monasterio San Jerónimo

Wir lassen es gemütlich angehen, Marianne zieht heute ihren Ruhetag ein und macht ein Mittagsschläfchen. Da es noch nicht regnet entschliesse ich mich mit der Metro in die Stadt zu fahren und die Monasterio San Jerónimo zu besichtigen. Da erst ab 15 Uhr zugänglich streife ich ein wenig durch die diversen Gässchen und Parks, manchmal scheint kurz die Sonne und 5 Min später fallen Schneegraupel vom Himmel.

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Das vor 500 Jahren erbaute Kloster, benannt nach dem heiligen Hieronymus, ist ein Ort voller Kunst und Geschichte. 2 grosszügige Kreuzgänge und eine reich ausgeschmückte Kirche zeugen von der Schönheit des Klosters. Der eine Kreuzgang ist mit Orangenbäumen geschmückt, in dessen Mitte ein Brunnen steht, der andere ist für Besucher nicht zugänglich. Gemeinschaftsräume und die Sakristei sind zu besichtigen, bevor man die Kirche betritt.

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Hier erschlägt einen die Fülle der Kunstwerke fast. 6 Seitenkapellen mit verschiedenen Motiven sowie ein Altarbild mit fast 50 Bildern der biblischen Geschichte. Da früher die Gläubigen Analphabeten benutzten die Mönche die Bilder für ihre Predigten. Die Altarbilder wurden auch als «Bibel der Armen» bezeichnet.

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Bei leckerem Kaffee mit Zitronenkuchen erholt man sich von den geistigen Besichtigungsstrapazen und stärkt sich für einen kleinen Stadtrundgang am späten Samstagnachmittag.

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Montag 26. Januar  Granada Kathedrale und Sacromonte

Die Wetterprognosen für die nächsten Tage künden Regen und Wind an, so verlängern wir mal für 2 Tage unseren Stellplatz und fahren mit Metro und Bus ins Stadtzentrum. Als erstes besichtigen wir die Kathedrale von Granada. Die Bauarbeiten begannen am 25. März 1523 und wurden erst etwa 200 Jahre später vollendet. Ein eindrückliches Werk spanischer Renaissance, einer der grössten Kathedralen Europas. Die Kunstwerke im ganzen Kirchenraum sind von diversen Künstlern gestaltet und wurden von Gönnern finanziert. Wir sind beeindruckt von diesem gewaltigen Bauwerk.

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Nach so vielen Eindrücken stärken wir uns, hier in Granada findet man alle 10m eine Verpflegungsmöglichkeit. Mit dem Kleinbus kurven wir Richtung Sacromonte und haben Glück, dass uns der Eintritt 5 Minuten vor der Mittagspause noch ermöglicht wird. Hier in der Abtei Sacromonte wurden viele Persönlichkeiten geschult und gebildet, bevor sie in ihrer Heimat führende Positionen einnahmen. Speziell sind die Höhlen, wo die Bleischriften gefunden wurden. Die römische Kirche hat sie nicht beglaubigt und über 200 Jahre bei sich behalten. Erst vor ein paar Jahren wurde durch Kardinal Ratzinger, später Papst, die Rückgabe in die Wege geleitet.

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Nach so viel Kultur wandern wir zurück in die Stadt, tätigen noch kleine Einkäufe und fahren mit der Metro zurück zum Stellplatz. Der grosse Regen lässt noch auf sich warten, es sind Regenmengen von bis 200l/m2 angesagt! Hoffe die nächsten Berichte schreibe ich nicht vom «Wohnmobilboot» aus!

 

Dienstag 27. Januar  Granada Basílica San Juan de Dios

Gegen Mittag, die Regenwolken haben sich verabschiedet, starten wir die letzte Besichtigung in Granada. Die Basílica San Juan de Dios, erbaut im Barockstil von 1737 – 1759 durch José de Bada, birgt eine unglaubliche Menge an Kunstschätzen. Jeder Flecken Wand und Decke birgt ein kleines oder grösseres Kunstwerk, das zu besichtigen und die Werte einzuschätzen überfordert uns komplett. Gefördert wurde der Bau vom Prior Fray Alonso de Jesús Ortega, um die Überreste des Gründers des Johanniterordens San Juan de Dios aufzubewahren. Ihre Einweihung fand am 27. Oktober 1759 unter dem Titel "Tempel der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau vom Heiligen Orden der Gastfreundschaft unseres Vaters San Juan de Dios" statt.

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Mittwoch 28. Januar  Granada – Ronda

Regen begleitet uns auf dem Weg von Granada nach Ronda. Die Bäche und kleinen Flüsse treten teilweise über die Ufer, es hat über 100l/m2 bei kräftigen Sturmböen geregnet. Der Stellplatz hier in Ronda liegt am Stadtrand und ist ideal gelegen für die Erkundung des Städtchens.
Ronda liegt auf einem Berggipfel auf 723 m in der andalusischen Provinz Málaga. Die atemberaubende Lage oberhalb der Schlucht El Tajo teilt die Stadt in den alten und neuen Teil. Der neue Teil stammt aus dem 15. Jahrhundert, während die Altstadt in der Zeit der maurischen Herrschaft gegründet wurde. Die bekannte Brücke Puente Nuevo, eine Steinbrücke über der Schlucht, bietet einen tollen Aussichtspunkt. Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die legendäre Stierkampfarena aus dem 18. Jahrhundert.

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Donnerstag 29. Januar  Sevilla Flughafen

Ja, es gibt Ereignisse, die sich nicht planen lassen. Mariannes beste Freundin Rosmarie Tüzün ist für alle unerwartet verstorben. So fliegen wir morgen Freitag für ein paar Tage in die Heimat und nehmen an den Trauerfeierlichkeiten nächste Woche teil. Die Rückkehr ist in gut einer Woche geplant, mal schauen wie und wann es mit unserer Reise Richtung Portugal weitergeht.